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Zeitzeugen auf der Kinoleinwand

Zeitzeugen, die die NS-Zeit hautnah er- und überlebt haben, zu sprechen, wird immer schwerer. Die Zeit spielt gegen uns; die Zeitzeugen sind heute über 90 Jahre alt. Bald wird es keine Menschen mehr geben, die uns von dieser grausamen Zeit direkt berichten können.

Umso dankbarer muss man daher Filmemachern wie dem Team Karin Kaper und Dirk Szuszies sein, die einen Film mit Zeitzeugen drehen, und so deren Lebensgeschichten für die Nachwelt festhalten.

Auf Einladung der Gesellschaft Christliche-jüdischer Zusammenarbeit Hagen und dem Evangelischen Kirchenkreis Hagen besuchten am Freitag, den 11.10.2019 insgesamt 41 Schüler und Schülerinnen der Stufen Q1 und Q2 das Kino Babylon im Kulturzentrum Pelmke, um dort den Film „Wir sind Juden aus Breslau“ anzusehen und danach in ein Gespräch mit dem Regisseur Dirk Szuszies einzusteigen.

Dieser 2016 erschienen Film reist zur Zeit durch ganz Deutschland. Diese Filmtour steht in NRW unter der Schirmherrschaft der Antisemitismusbeauftragten des Landes NRW Frau Sabine Leutheusser-Schnarrenberger.

Der Film beinhaltet die bewegenden Lebensgeschichten von 14 jüdischen Menschen, die damals als Jugendliche in Breslau ihrer Heimat beraubt wurden. Sie kommen alle zu Wort, erzählen, was damals passierte, was sie erdulden und erleiden mussten. Und sie haben überlebt. Da sind zum Beispiel die Schwestern Anita Lasker-Wallfisch und Renate Lasker-Harpprecht, die Auschwitz überlebt haben. Oder die Brüder Max und Pinchas Rosenberg, die nach einer drei Monate langen Fahrt über Rumänien endlich Palästina erreichten und sich dort ein neues Leben aufbauen konnten. Wolfgang Nossen überlebt zusammen mit seiner Mutter und den Geschwistern im Versteck. Flucht, Exil, Auschwitz – immer die Frage im Vordergrund: Wie kann ich überleben?

14 Einzelschicksale, die doch eindringlich zeigen, was Menschen alles auf sich nehmen, um zu überleben. Die Eltern der meisten heute über 90-jährigen haben nicht überlebt und wurden schnell deportiert und ermordet. Die Kinder/Jugendlichen blieben zurück und mussten auf sich allein gestellt, ihr Überleben sichern. Die 14 Zeitzeugen haben nicht nur überlebt, sondern haben alle berufliche Karrieren gemacht. Als Beispiel sei hier der berühmte Historiker Fritz Stern genannt, der als einziger von den 14 die Filmpremiere nicht mehr miterlebte und leider vorher verstarb.

Ein intensiver Film, der gerade, wenige Tage nach dem Anschlag von Halle, aktueller denn je ist. 

Im Anschluss an die Filmvorführung stand Dirk Szuszies den Schülern und Schülerinnen Rede und Antwort. Vor allem an der persönlichen Seite des Regisseurs waren die Schüler und Schülerinnen interessiert. Wie ist es, solch einen Film zu drehen, bei dem man solch grausame Lebensgeschichten erzählt bekommt? Wie reagieren Menschen im leider wieder sehr rechtsgesinnten Osten auf diesen Film und ihn als Filmregisseur? Was können wir gegen Ausgrenzung, Anfeindung tun?

Angefüllt mit Bildern, die sicher noch länger verfolgen, verließen wir das Kino wieder, um in den Schulalltag zurückzukehren. 

Wir danken den Veranstaltern für diesen eindrücklichen Vormittag.

 

(Text: Madrisa Cleff)