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AD Hagen
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Richtfest unseres Erweiterungsbaus – 30. Mai 2026

Sehr geehrte Frau Beigeordnete Soddemann,

sehr geehrte Frau Pott,

sehr geehrter Herr – ich muss wohl sagen – vormaliger Ltd. Städtischer Baudirektor und Vorstand der WBH, der Wirtschaftsbetriebe Hagen, Herr Bihs, danke, dass Sie den krankheitsbedingt heute abwesenden Herrn HEG- Geschäftsführer Patrick Bänsch vertreten, dem wir von dieser Stelle aus gute Besserung wünschen möchten,

sehr geehrter Herr Vaupel von der Strategischen Planung u. Koordination der WBH

sehr geehrte Mitarbeitende der Stadt Hagen aus so vielen unterstützenden Ämtern, Fachbereichen und Dienststellen,

sehr geehrte Frau Draheim und sehr geehrter Herr Berg aus dem Architekturbüro Büsing van Wickeren Architekten

liebe Handwerkerinnen und Handwerker so vielfältiger Professionen und Gewerke,

sehr geehrte Mitglieder des G9-Berates unserer Schule,

namentlich sehr geehrter Herr Holm, sehr geehrte Frau Fitz als Vertreter der Eltern,

sehr geehrter Herr Funke und sehr geehrte Frau Bittner vom Förderverein unserer Schule,

sehr geehrte Frau Cleff, sehr geehrte Frau Eisenberg, sehr geehrter Herr Larsen als Vertreter des Kollegiums

liebe Laura, lieber Johannes, lieber Anton, lieber Justus als Vertreter unserer Schülerschaft

liebe Eltern, Kolleginnen und Kollegen und Gäste,

vor allem aber: liebe Schülerinnen und Schüler,

 

an der Vielzahl soeben erwähnter Mitdenkenden, Mitarbeitenden, Planenden, Diskutierenden, Verwerfenden und Bauenden ist schon leicht zu erkennen:2 heute ist ein besonderer Tag für unsere Schule in unserer über 100-jährigen Schulgeschichte:

 

Es gibt Tage im Leben einer Schule, die weit über den Kalender hinausweisen. Tage, an denen nicht nur ein Bauwerk wächst, sondern an denen sichtbar wird, welche Vorstellung wir von Bildung, von Lernen und von Zukunft haben. Heute ist ein solcher Tag.

 

Wir feiern Richtfest – und natürlich freuen wir uns über Mauern, über tragende Konstruktionen, über Räume, die Form annehmen.

 

Aber in Wahrheit feiern wir heute weit mehr als einen Neubau. Wir feiern eine Idee. Wir feiern die Weiterentwicklung dessen, was unsere Schule ausmacht: Wir feiern die gemeinsame Überzeugung, dass es erst dem Bauch gut gehen muss, bevor der Kopf denken kann. Wir glauben, dass Schule ein Ort sein muss, an dem junge Menschen gesehen werden, wo man sich wohl fühlen können muss, damit das Herz und der Kopf frei werden, sich zu entwickeln.

 

Wir sind der Überzeugung: Nur eine solche Schule bereitet die Schülerinnen und Schüler unserer Schule auf die Zukunft vor. Eine Zukunft, die unseren Schülerinnen und Schülern viel abverlangt. Unsere Schülerinnen und Schüler wachsen in einer Welt auf, die von Dynamik, Unsicherheit, Komplexität und stetigem Wandel geprägt ist:

 

Berufe verändern sich tiefgreifend.

Wissen verdoppelt sich in immer kürzeren Abständen.

Künstliche Intelligenz, digitale Transformation, globale Krisen und gesellschaftliche Umbrüche fordern Orientierung, Urteilskraft und die Fähigkeit, eigenständig zu handeln.

 

Die entscheidende Frage lautet deshalb:

Wie muss Schule heute gestaltet sein, damit junge Menschen morgen bestehen – und mehr noch: damit sie Zukunft aktiv gestalten können?

 

Unsere Antwort darauf ist klar: Wir müssen Schülerinnen und Schüler noch mehr als bisher einen sicheren Ort geben, einen Ort, an dem sie sich wohl3 fühlen, um sie dann noch mehr als bisher dazu zu befähigen, Verantwortung für ihr eigenes Lernen zu übernehmen.

 

Wir müssen Selbstständigkeit stärken, Reflexionsfähigkeit fördern, Kooperation ermöglichen und Räume schaffen, in denen Lernen nicht nur vermittelt, sondern aktiv gestaltet wird.

 

Eine noch stärkere Betonung des eigenständigen Lernens, eines noch stärker selbstregulierten Lernens ist deshalb kein pädagogisches Schlagwort. Es ist eine grundlegende Zukunftskompetenz.

 

Und genau hier zeigt sich die besondere Qualität dessen, was hier entsteht. Dieser Erweiterungsbau ist nicht einfach eine Antwort auf zusätzlichen Raumbedarf durch G9 – so wichtig dieser Ausbau auch ist. Er ist Ausdruck eines weiter entwickelten Verständnisses von Lernen. Sechs Klassenräume – ja. Räume für äußere Differenzierung – selbstverständlich. Flexible Clusterflächen zwischen den Klassenräumen – bewusst geschaffen. Ein Lehrerzimmer – als Ort professioneller Zusammenarbeit.

 

Doch in der Summe entsteht etwas Größeres: eine Lernlandschaft. Eine Architektur, die Offenheit ermöglicht, ohne Orientierung zu verlieren. Eine Architektur, die Begegnung fördert, ohne Konzentration zu stören. Eine Architektur, die Individualisierung unterstützt, ohne Gemeinschaft aus dem Blick zu verlieren. Eine Architektur, die jungen Menschen signalisiert:

 

Hier wird dir etwas zugetraut.

Hier darfst du Verantwortung übernehmen.

Hier kannst du wachsen.

 

Das ist nicht selbstverständlich. Und es ist schon gar nicht das Ergebnis eines schnellen Plans auf dem Reißbrett. Es ist das Ergebnis einer außergewöhnlich sorgfältigen, langfristigen und klugen Zusammenarbeit sehr vieler Menschen.

 

Deshalb ist heute vor allem ein Tag des Dankes.

Mein herzlicher Dank gilt der Stadt Hagen – für große Investitionen, für langfristige Planung und für den spürbaren Willen, Bildung Zukunft zu geben. Mein Dank gilt den vielen engagierten Mitarbeitenden der unterschiedlichen Fachbereiche, die dieses Projekt mit Fachkompetenz, Geduld und großer Verlässlichkeit begleiten. Ich danke den Mitarbeitenden des Fachbereichs Pädagogische Architektur im Ministerium für Schule und Bildung, die uns mit wertvollen Impulsen beraten haben. Ich danke dem beauftragten Architekturbüro für die kluge Verbindung von Funktionalität, Pädagogik und Gestaltungsqualität. Und ich danke den ausführenden Gewerken – Ihnen allen, die hier mit Können, Präzision und großem Einsatz dafür sorgen, dass aus Plänen Räume werden. Sie errichten nicht nur ein Gebäude. Sie schaffen einen Ort, an dem Generationen junger Menschen lernen, wachsen und ihre Wege finden werden. Ein besonderer Dank gilt auch Schulen, die uns Einblicke in gelingende Praxis ermöglicht haben – etwa der Grundschule Overberg, deren erfolgreiche Arbeit im Bereich des selbstregulierten Lernens uns inspiriert hat. Solche Hospitationen sind kostbar, weil gute Ideen wachsen, wenn man sie miteinander teilt. Und schließlich danke ich unserer Schulgemeinde: unseren Schülerinnen und Schülern, Eltern, Lehrkräften und unserem Förderverein. Mit welcher Begeisterung, mit wie vielen Ideen und mit welcher Offenheit Sie diesen Prozess begleitet haben, das war beeindruckend. Es war schnell zu spüren: Hier wird nicht einfach gebaut – hier wird gemeinsam Zukunft gestaltet.

 

Und diese Zukunft endet nicht mit diesem Gebäude. Mit der Inbetriebnahme dieses Erweiterungsbaus beginnt der nächste Schritt: der zusätzliche naturwissenschaftliche Fachraum, der fachübergreifend genutzt werden kann und forschendes, entdeckendes Lernen weiter stärken wird. Auch hier wird sichtbar: Zukunft braucht Räume für Neugier, für Experimente und für Erkenntnis. Und mit der zugesagten Neugestaltung unseres Schulhofs entsteht darüber hinaus ein Außenraum, der Schule als Lebensraum neu denkt – als Ort der Begegnung, der Bewegung, der Erholung und des Austauschs. Lernen findet nicht nur im Klassenraum statt. Bildung braucht auch Freiräume.

 

Wenn wir all dies zusammendenken – den Erweiterungsbau, den naturwissenschaftlichen Fachraum, den neugestalteten Schulhof –, dann entsteht ein Gesamtbild: eine Schule, die sich nicht verwaltet, sondern sich entwickelt. Eine Schule, die nicht nur auf Veränderungen reagiert, sondern Zukunft bewusst gestaltet.

 

Und vielleicht ist genau das die tiefere Bedeutung dieses Richtfestes: Wir richten heute nicht allein ein Gebäude auf. Wir richten einen Ort auf, an dem junge Menschen erfahren dürfen, dass ihre Talente zählen, dass ihre Ideen Gewicht haben und dass ihre Zukunft es wert ist, mit aller Kraft gestaltet zu werden. Möge dieses Haus ein Ort der Erkenntnis werden. Ein Ort der Gemeinschaft. Ein Ort der Zuversicht. Ein Ort, an dem junge Menschen lernen, nicht nur Antworten zu geben – sondern die richtigen Fragen zu stellen. Und ein Ort, von dem aus sie mutig, klug und verantwortlich in die Welt hinausgehen.

 

Denn wer in Bildung baut, baut immer auch an der Zukunft unserer Stadt – und an der Zukunft unserer Gesellschaft.

 

In diesem Sinne: Einen herzlichen Dank Ihnen allen, dass Sie daran so engagiert mitarbeiten.

 

Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Olaf Wiegand, Schulleiter

 

Link zum Radiobeitrag: